Design und Cocktails…

Der Berliner Kurfürstendamm ist mit Bar-Hotspots nicht gesegnet und auch im Umfeld des Prachtboulevards gibt es nur wenige Adressen, wo Cocktail-Liebhaber ihre Drinks in gewünschter Atmosphäre genießen können. Das scheint sich gerade mit dem Comeback der Berliner City-West etwas zu ändern und so erkennen die Hotelinvestoren zunehmend, dass eine attraktive Bar die Strahlkraft des Hotels erhöhen kann. So auch geschehen im Hotel Zoo, das nach einem ausgesprochen gelungenen Umbau gerade wieder seinen alten Glanz entfaltet. Hier hat man bei der Konzeptentwicklung eine stylische Bar eingeplant und das Ergebnis kann sich sehen lassen. Dayna Lee, in New York und Los Angeles ansässige Designerin, hat mit der Grace Bar einen Ort geschaffen, an dem man sich gerne trifft und wohlfühlen kann.

Dazu gehört auch ein durch Industriefenster abgetrennter Wintergarten, der im Freien bei entsprechender Wetterlage eine angenehme Alternative darstellt. Am Abend bei Kerzenschein und den Flammen des fünf Meter langen Kamins sind die Plätze rasch vergeben. In den Innenräumen findet man eine Kombination aus edlem Mobiliar und Backsteinwänden in Verbindung mit einer teils recht ungewöhnlichen, aber angenehmen Farbgebung, woraus hier eine entspannte Komfortzone entstanden ist. Ein gut durchdachtes Lichtkonzept steuert ein Übriges zur Wohlfühl-Atmosphäre bei und setzt den Bartresen mit einem von innen beleuchteten Amethyst-Tresenaufbau gekonnt in den Mittelpunkt. So soll es sein, denn schließlich ist die Bar der eigentliche Mittelpunkt des Geschehens. Hier entscheidet das Handwerk des Barpersonals darüber, ob aus einem neugierigen Zufallsgast ein überzeugter Stammgast wird.

Die Voraussetzungen zu einem treuen Gästeklientel sind vorhanden: Ein tolles Ambiente, eine ausgesprochen interessante Auswahl an Zutaten und ein versierter Bar Manager mit einem eingespielten Team. Bar Manager Koset Prajob (genannt Scotty), gebürtiger Thailänder und seit 22 Jahren in Deutschland lebend, leitet hier ein Team von insgesamt 20 Kollegen. Von der Yachthafenresidenz Hohe Düne kam er in den China Club Berlin und wechselte dann in die Grace Bar, die er seit 2014 als seine neue Herausforderung ansieht. Das Backboard und sein Sortiment trägt seine Handschrift, denn er hat dafür Sorge getragen, dass auch Kenner hochwertiger und ausgefallener Spirituosen zufriedengestellt werden können. Speziell Rum-Liebhaber haben hier an Raritäten ihre Freude, die Scotty hier für Kenner in das Sortiment genommen hat. So findet man hier z.B. einen 1997er Caroni Rum von Trinidad, einen 10 Jahre alten Fiji-Rum Compagnie des Indes, einen 55%igen Longueteau Rhum Agricole von Guadeloupe oder einen British Navy Pusser´s Rum Gunpowder Proof in Fassstärke von 54,5%. Auch für die Whiskykenner hat er ausgesuchte Spezialitäten aus Japan, den USA, Irland und der Schweiz parat. Ebenso einfallsreich wie die Spirituosenauswahl gestaltet sich das Cocktail-Angebot, denn mit seinen Signature Cocktails verschafft Scotty seinen Gästen ungewöhnliche Geschmackserlebnisse. Das trifft besonders beim Pumpkin Spiced Sour zu, einer Mischung aus japanischem Nikka Coffey Malt Whisky, hausgemachtem 5-Gewürze Kürbis-Chutney, Zitronensaft, Ahornsirup, Eiklar und Kürbiskernöl, die eine wahre Geschmacksexplosion darstellt und ein flüssiger Gewürzgenuss ist. Auch einfallsreich kreiert wurde der Pineapple Coriander Smash aus Grey Goose Vodka, Ananas, Koriander, Agavensirup und Limettensaft, woraus ein veritabler, frischer Sommerdrink mit angenehmer Koriandernote entsteht. Was in der Grace Bar auffällt, ist die Tatsache, dass man sich auch dem Thema Barfood intensiv gewidmet hat. Abseits der üblichen Knabbereien offeriert man kleine, kreative Gerichte, genau passend für den kleinen Appetit zwischendurch.

Besonders im Trend liegt Scottys Himmelblau-Cocktail, der gerade die Gin-Fans begeistert und durch einen Eisball im Glas für lange Zeit seine Trinktemperatur behält. Spanischer Mare Gin, Veilchenlikör, Zitronensaft, Lavendelzucker und Eiklar sind die Bestandteile, welche mit einem Dash Tonic Water angereichert werden. Mit dem Lavendelzweigduft der Garnitur erhält man ein rundum himmelblaues Aromaerlebnis. In einem Weinglas wird der Banyan Mule serviert, eine Komposition aus hausgemachtem Feigensenf-Falernum, frischem Limettensaft und Ginger Beer, bei der die Ingwernoten und die Süße vom Falernum deutlich wahrnehmbar sind. Wer als Gast gerne etwas Show bei der Zubereitung seines Cocktails mag, der sollte sich einen Oaxaca Sazerac bestellen. Meteoro Mezcal und Chartreuse Verte bilden den Spirituosenanteil des Cocktails, dem Citrus Bitters und Agavensirup hinzu gefügt werden. Sein spektakuläres Finish erhält dieser Cocktail dann, wenn Scotty den Drink vor den Augen des Gastes mit geflämmtem Absinthzucker und Kardamon vollendet. Diese Auswahl an Cocktails zeigt, dass der anspruchsvolle Gast hier durchaus seinen Platz finden kann, denn man hat hier abseits vom Mainstream die Möglichkeit neue Geschmackseindrücke zu sammeln.

Besuch am 09.05.2017

www.hotelzoo.de