Genial schwiizerisch…

Wenn man Hauptstadt-Feinschmecker nach ihren Lieblingsrestaurants befragt, wundert man sich häufig, dass eher die Locations benannt werden, welche gerade en vogue sind, weniger jene, die durch kontinuierliche, handwerklich einwandfreie Arbeit auffallen. Manchmal liegt es an der Lage oder an der medial weniger gehypeten Küchen-bzw. Serviceleistung, dass diese Restaurants oftmals zu Unrecht im Schatten bleiben. Dieses Gefühl beschleicht einen auch beim Restaurant 44 im Berliner Swissôtel. Warum wird so wenig über dieses Restaurant gesprochen? Vermutlich, weil es sich für Nichtkenner eher etwas versteckt, nicht in direkter Straßenlage, allerdings in zentraler City-West-Lage mit grandioser Aussicht auf den Kurfürstendamm befindet und weil man allgemein lieber über Adressen mit exotischer Fusion-Küche und einem medienaffinen TV-Koch spricht. Das ist eben schicker!

Dennoch schätzen eine gehörige Anzahl von Feinschmeckern und die Schweizer Gemeinde Berlins gerade das Restaurant 44 und eben wegen seiner Besonderheiten, denn in der Hauptstadt sind gastronomische Unternehmen, in denen mit hohem Anspruch schwiizerisch gekocht wird, ausgesprochen rar. Hinzu kommt, dass man hier einen Ort vorfindet, an dem Schweizer Gastlichkeit und Küche par excellence zelebriert wird. Empfangen wird der Gast von Benjamin Kirstein, der hier als Gastgeber und Restaurantleiter fungiert und für eine hervorragende Betreuung steht. In seiner Vita finden sich erstklassige Adressen: Seine Ausbildung hat er im Hotel-Restaurant Zur Post in Odenthal absolviert. Bevor er Mitte des Jahres 2017 in das Restaurant 44 wechselte, bekleidete er zuvor Restaurantleiter-Posten im Excelsior Hotel Ernst in Köln und im Bremer Parkhotel. Nach Möglichkeit platziert er seine Gäste an einem der beliebten Tische mit Galerieblick auf den Kurfürstendamm und freut sich mit seinen Gästen, wenn schönes Wetter die Beobachtung des Treibens auf dem Boulevard begleitet. Zeitloses, modernes Ambiente mit viel Tageslicht erwartet den Gast tagsüber, bei Dunkelheit faszinieren die Lichter der Großstadt. Die Bestuhlung ist flexibel auf Paare, kleine Gesellschaften, Geschäftsessen und Gruppen ausgerichtet und wirkt mit der Gesamteinrichtung ausgesprochen homogen.

Hat der Gast Platz genommen, stellt er schnell fest, dass im Restaurant 44 vom gesamten Team ein ausgezeichneter und stilvoller Service geboten wird. Restaurantleiter Benjamin Kirstein und Chef de Rang Thomas Häder, der vom Berliner Nhow-Hotel gewechselt ist, beraten kompetent bei der Auswahl der Speisen und Weine, geben bereitwillig Auskunft und sind stets um den Gast bemüht. Auf der Speisenkarte findet man zahlreiche Schweizer Spezialitäten, denen die Herkunft der Rezepte angefügt ist. Selbstverständlich darf auch das bekannteste Schweizer Gericht mit Kalbsstreifen und Weißwein-Champignonrahmsauce, nämlich das Züri Gschätzlets, nicht fehlen, aber die Speisenkarte hat weit mehr zu bieten. Es werden ebenso zwei wechselnde Menüs angeboten: Ein fünfgängiges Chef Menü und ein saisonales Menü, aus Vorspeise, Hauptgang und Dessert bestehend. Das Chef Menü sieht diesmal Kaninchen, St. Jacques, Luma Schwein, Linumer Kalb und Milchschnitte vor, wobei diese sachliche Aufzählung keineswegs das schildert, was im Laufe des Dinners fantasievoll auf den Tellern serviert wird.

Als Aperitif empfiehlt sich ein Schwiizer Charme Spumante von Angelo Delea, der auch als Merlot Rosé verfügbar ist. Dieser mundet zum Gruß aus der Küche, der nach der Entscheidung zur Speisenfolge serviert wird. Grüßen lässt Küchenchef Richard Schneider, der einem im Laufe des Abends noch einige Komplimente abringen wird. Nach Stationen in Dubrovnik, London, Zürich und im Adlon Kempinski war er über drei Jahre Sous Chef im Restaurant SKYKITCHEN des Berliner Andel´s Hotels, bevor er nun im Swissôtel-Restaurant 44 modern interpretierte Schweizer Küche von Brandenburger Produkten kocht. Dass er dies auch besonders kreativ umsetzt, zeigt schon die erste Vorspeise, eine Apfel-Staudensellerie-Suppe mit Jacobsmuschel. Nicht nur das Gericht selbst, sondern auch die Art, wie es angerichtet ist, darf als gelungen bezeichnet werden. Ebenso bemerkenswert die Weinempfehlung von Chef de Rang Thomas Häder, der einen 2011er Johannisberg Du Valais der Domaine Mont d´Or aus dem Wallis vorschlägt. Auch der Petite Arvine Aphrodine 2015 von Albert Mathier & Fils, eine Weißweinsorte, die im Kanton Wallis und im Aostatal angebaut wird, korrespondiert bestens mit dem geräucherten Saibling. Das Luma Schwein mit Zwiebel, Aprikose und Pfifferling, das Linumer Kalb mit Tessiner Polenta, Brokkoli und Vacherin Mont-d´Or und die Maispoularde mit Blumenkohl, Heu und Spitzkraut begeistern in der Menüfolge durch Darstellung und Aromenvielfalt. Ein 2010er Carato Riserva Merlot Ticino DOC von Angelo Delea aus dem Tessin und ein Graubündener Fläsch Pinot Noir AOC Jahrgang 2015 von Gemswändler dienen als passende Begleiter zu den Speisen. Die Sauerkirschen mit Cantadou, Basilikum und Mandel als Dessert schließen die Menüfolge, nicht ohne dazu einen in Akazienholz ausgebauten Malvoisie flétrie von Albert Mathier & Fils probiert zu haben. Beim Tessiner Chardonnay Grappa als Digestif mit einem Kaffee und Schokoladengenuss kann man resümierend feststellen, dass dieser Ausflug in die Schwiizer Küche und Weinwelt absolut lohnend und durchaus eine Empfehlung wert ist. Eine gastronomische Erfahrung, die nachhaltig beeindruckt…

www.restaurant44.de

Besuch am 7.07.2017