Gin Tonics auf der Insel…

Die Bar des beliebten Boutique Hotels Benen-Diken-Hof im Sylter Inselort Keitum ist allabendlich der Treffpunkt von Gästen des Hotels und der umliegenden Ferienhäuser. Wie in anderen Bars auch, nehmen die Gin Tonics eine besondere Stellung auf der Beliebtheitsskala der Gäste ein und die Experimentierfreudigkeit bei eher unbekannten Ginmarken ist groß. Nicht selten kommt es so im Laufe des Abends zu einem Gin Tonic-Tasting der besonderen Art, wo auch regionale Gins Aufmerksamkeit erregen und ihre Liebhaber finden.

Mit besonderer Freude stellt Bar Manager Benny, der seit sechs Jahren diese Bar leitet, seine Favoriten vor und rückt dabei auch gerne ein paar Nischenprodukte in den Vordergrund, die durch ihre Qualität durchaus bemerkenswert sind. Wir starten unser Gin Tonic-Tasting allerdings zunächst einmal mit einer Marke, die über eine lange Tradition verfügt und zu den bekanntesten in diesem Spirituosensegment gehört. Tanqueray ist im Laufe vieler Jahrzehnte, ebenso wie Gordon´s Gin, zum Inbegriff englischen Gins geworden. Tanqueray No.Ten ist eine Premium-Version des Hauses und wurde zur Jahrtausendwende auf den Markt gebracht. Die markante achtkantige, grün-schimmernde Flasche sorgte schnell für Furore, besonders durch die Qualität des Inhalts bei den Gin-Liebhabern.

Dieser Gin wird in einer Stärke von 47,3% Vol.Alk. abgefüllt, nachdem er vierfach destilliert wurde. Dass dieser No.Ten trotzdem über eine gewisse Komplexität verfügt, ist zweifelsohne ein Verdienst des Master Distillers. Das Destillationsverfahren begünstigt auf jeden Fall die erstaunliche Milde des Gins bei diesem hohen Alkoholgehalt und unterscheidet sich auch in einem anderen Punkt von dem anderer Gin-Produzenten. Bei den meisten anderen Gins ist es üblich, ausschließlich die Schalen der jeweiligen Frucht zu verwenden, im Gegensatz zu Tanqueray, wo die ganze Frucht verwendet wird. Die Wachholderbeere kommt in der Nase dezent zum Vorschein, stärker die Grapefruit und ein Hauch Limette. Die Zitrusnoten dominieren den Geschmack, der Abgang gestaltet sich angenehm mild und lange anhaltend, die Wacholderbeere bleibt auf der Zunge zurück. Als Gin Tonic-Version stellt Bar Manager Benny dem Tanqueray No.Ten ein Fever-Tree Indian Tonic Water zur Seite.

The Botanist ist ein Gin, der durch die Vielzahl der verwendeten Früchte, Kräuter und Wurzeln seine Liebhaber gefunden hat. Insgesamt sind es 22 Botanicals von der Hebrideninsel Islay, die zur Herstellung dieses Gins dienen. Über eine ganze Vegetationsperiode werden alle Zutaten auf der Insel gesammelt, die sonst seit jeher für ihre Whisky-Produktion bekannt ist. Ein sehr komplexes Aromenbild zeichnet sich in der Nase und am Gaumen: Süßes, zartes Menthol, Apfelminze, Frühlingswälder, Wacholder, Koriander mit Anisuntertönen, Zitronen-und Orangenschalen, florale Noten, Sommerwiesen und Honignoten. Die 22 lokalen Pflanzenarten werden mit neun Beeren, Rinden, Schalen und Samen in einem sehr langsamen Destillationsprozess schonend verarbeitet und stellen ein Abbild des botanischen Erbes der schottischen Insel dar. The Botanist Islay Dry Gin mit 46% Vol.Alk. wird von Gin-Trinkern bevorzugt, die stark präsente Wacholdernoten mögen. Thomas Henry Tonic Water wird als passendes Tonic dazu gereicht und ergänzt das Geschmackserlebnis.

Um eine kleine Rarität handelt es sich beim Schloss Gin, der als Small Batch-Produkt vom Weingut Schloss Johannisberg abgefüllt wird. In kleinen Mengen produziert, spricht dieser Craft-Gin Liebhaber von Destillaten nach London Dry-Art an. Es soll sich um eine Rezeptur von Odo Staab handeln, der im 18.Jahrhundert Kellermeister der Fürstabtei Fulda und verantwortlich für den Ausbau der Johannisberg-Weine war. Wacholder und Bitterorangen bestimmen die Aromatik dieses 44%igen Gins und verleihen ihm eine erfrischend fruchtige Note. Fever-Tree Indian Tonic Water macht aus dieser Basis einen hervorragenden Gin Tonic.

Aus Göttingen stammt der nächste Gin: Von Hallers. Seit dem Sommer 2016 auf dem Markt und vom niedersächsischen Familienunternehmen Hardenberg-Wilthen produziert, gehört Von Hallers eher zu den Nischenprodukten der Gin-Szene. Um die Ginmarke wird die Geschichte des Botanikers Albrecht von Haller lanciert, der im Jahr 1736 den Botanischen Garten in Göttingen gegründet und die für den Gin verwendeten Kräuter und Gewürze gepflanzt haben soll. Ingwer, eine besondere Fuchsienart, Zitronenverbene und eine darüber hinaus geheime Auswahl an Botanicals werden in Kupferbrennblasen einer irischen Distillery schonend destilliert. Die Abfüllungen weisen ein Alkoholvolumen von 44% auf und präsentieren sich in einer handlichen Blauglasflasche mit Naturkorken. In der Nase erscheint Von Hallers Gin mit kräftigen herbal-frischen Noten von Wacholder, Zitrone, Limette und Ingwer. Im Mund dominiert zunächst Ingwer, während sich am Gaumen dann nachhaltig Wacholder und Zitrus bemerkbar machen. Mit Thomas Henry Tonic Water ergibt sich eine angenehme Gin Tonic-Variante aus deutschen Landen.

Ein weiterer deutscher Gin hat es seit langer Zeit zu landesweiter Popularität gebracht und ist aus den Bars nicht mehr wegzudenken: Gin Sul. Wacholderbeeren, frische Zitronen aus Portugal, Rosmarin, Piment, Lavendel, Zimt und Zistrose sind die Hauptzutaten, die für den Gin Sul verwendet werden. Produziert in der Altonaer-Spirituosen-Manufaktur in Hamburg, hat dieser 43%ige Gin doch seine Wurzeln in Portugal, denn die 14 einzelnen Zutaten werden von der Costa Vincentina im Südwesten Portugals importiert. Die graue Steingutflasche mit dem signifikanten Logo und dem Naturkorken fällt in jedem Bar-Sortiment auf und vermittelt mediterranes Lebensgefühl. Am Gaumen nimmt man Gin Sul weich und trocken wahr, der angenehm lange Abgang spiegelt ein leichtes Wacholderaroma und Orangen- sowie Floralnoten wider. Mit dem Indian Tonic Water von Fever-Tree begeistert die Gin Tonic-Variante die Damen in der Verkostungsrunde einhellig am meisten.

Beim letzten Gin dieser Verkostungsreihe handelt es sich zumindest dem Namen nach um ein lokales Produkt: S.O.S. Spirit of Sylt Gin. Sicherlich wurde die Idee für diesen Gin auf der Nordseeinsel geboren, aber da es weder eine Destillerie zur Herstellung von Alkohol, noch eine geeignete Abfüllanlage vor Ort gibt, hat man sich für das Familienunternehmen Heinz Eggert in Bad Bevensen als Partner entschieden. Von den vier verwendeten Botanicals dieses 42%igen Gins sind lediglich zwei bekannt und die stark ausgeprägte Wacholdernote und der Duft der Rosenblütenessenz lassen an diesen Zutaten keinen Zweifel aufkommen. Mit Thomas Henry Tonic Water wird der Spirit of Sylt-Gin aufgefüllt und so wird dann dem Gin Tonic-Tasting im Keitumer Benen-Diken-Hof noch ein wenig Lokalkolorit verliehen…

                                                                                                                                  Tasting am 30.10.2019

www.benen-diken-hof.de