Restaurant-Tipp in Neukölln…

Spätestens nach der Eröffnung des Restaurants Lava in der Neuköllner Flughafenstraße haben die Berliner Feinschmecker mitbekommen, dass auch in diesem Stadtteil eine Klientel Einzug hält, die gute Küche zu schätzen weiß und auch bereit ist, einen angemessenen Preis dafür zu bezahlen. Diese Gäste hatten Renate und Andreas Hoffmann im Fokus, als sie sich zu diesem Restaurant entschlossen und nun ist es so, dass selbst Gäste aus der Berliner City den Weg in die für sie ungewohnte Neuköllner Umgebung finden, um die kreativen Kochkünste von Küchenchef Thomas Barthelmes und seiner Crew zu prüfen.

Beim Betreten des Restaurants nimmt man zuerst das kleine Schinkenlädchen wahr, wo in den Vitrinen ausgesuchte Schinken-, Käse- und Wurstsorten angeboten werden. Hier hat man einen kleinen Einzelhandel mit Feinkost integriert, was zusätzlich Straßenkunden anlockt. Die dort präsentierten Produkte kann man aber auch in Form von Schinken-, Käse- und Wurstplatten an Ort und Stelle verzehren oder man lässt sich zur Mittagszeit hier nieder, um das Mittagstisch-Angebot des Restaurants in Anspruch zu nehmen. Dieses umfasst täglich wechselnd eine Suppe, einen Salatteller und ein Hauptgericht der mittags beliebten Hausmannskost oder ein dreigängiges Veggie-, Fisch- oder Fleischmenü.

Wenn man weiter in die Tiefe des Restaurants vordringt, dessen Räume schlauchartig nach hinten angelegt sind, passiert man die räumlich sehr begrenzte offene Küche, die den Köchen Arbeiten auf engstem Raum abverlangt. Es folgt ein kleinerer Gastraum, bevor man zur eigentlichen Lava vordringt. Sie wird durch ein grünes Lichterband im Boden und stilisiert in der Wandgestaltung symbolisiert und verschmilzt mit dem wertigen dunklen Holzmobiliar und dem Rundkachelofen zu einem außergewöhnlichen und ansprechenden Ambiente. Ein auf dem Fliesenboden liegender, scheinbar herabgestürzter Deckenleuchter ergänzt den etwas unwirklichen Eindruck der Szene. Dort angekommen, kann man sich in aller Ruhe der Abendkarte widmen, welche sich auf jeweils drei Vorspeisen, Hauptgerichte und Desserts beschränkt, was in Anbetracht der Auswahl der Speisen allgemein ausreichend ist. Fisch-, Fleischliebhaber und Vegetarier werden berücksichtigt, wobei hier Frische und Raffinesse zählen.

RESTAURANT-EMPFEHLUNG-LAVA-35Als Einstieg in den kulinarischen Abend empfiehlt sich ein überzeugender Cremant de Limoux Grand Cuvée Brut, der auf die Vorspeisen einstimmt. Was auf der Karte einigermaßen schlicht als Hering in Apfel-Mate-Tee-Essig mariniert, Gurke, Tamarinde beschrieben wird, kommt als eine Aromenexplosion auf dem Teller beim Gast an. Nach der ausführlichen Erläuterung des Servierten durch den Service schaut man ungläubig auf die Karte. Die unterschiedlichen Gurken-Variationen mit vielfältigsten Geschmacksfacetten sind ein wahrer Genuss in Verbindung mit dem raffiniert marinierten Hering. Ein ähnlicher Nuancenreichtum bietet sich bei den Karotten, die mit Süßholz als Beilage zur Sülze vom Beelitzer Kaninchen dienen. Hochachtung vor der Kreativität der Küche und deren Umsetzung schon nach der Vorspeise lässt die Erwartungen auf den Hauptgang ungeahnt wachsen.

RESTAURANT-EMPFEHLUNG-LAVA-28RESTAURANT-EMPFEHLUNG-LAVA-26Ein frischer 2013er Lava Grauburgunder der Villa Wolf, ein Gavi Tassarolo Bio Jahrgang 2013 und ein Blanc de Noir Spätburgunder Schreieck, ebenfalls Jahrgang 2013, sind unter den offen angebotenen Weinen gute Begleiter zu den Vorspeisen. Die mit Spannung erwarteten Hauptgerichte enttäuschen nicht, sondern verstärken den guten Eindruck vom vorherigen Gang. Die ungewöhnliche Kombination von gegrillter Makrele, Mais, Pak Choi und Ananas erfreut durch eine geschmackliche Ausgewogenheit und beim 35 Tage gereiften Roastbeef, den Speckbohnen und Kartoffeln überzeugen exakt getroffene Garpunkte, die absolute Qualität des Fleisches und auch die delikate Estragoncreme. Die im offenen Ausschank befindlichen Roten Tellus Syrah Falesco Jahrgang 2010 aus der Region Lazio und die 2012er Kombination von Grenache, Syrah und Mourvedre der Domaine St. Jacques aus dem Minervois hinterlassen einen guten Eindruck.

RESTAURANT-EMPFEHLUNG-LAVA-12Die etwas eigenwillige Weinauswahl macht neugierig auf einen Dessertwein und wir lassen uns von Moritz Otto, unserem Mann im Service, gerne beraten. Nicht nur bei den Erläuterungen zu den jeweils servierten Gängen, sondern auch bei seinen Weinempfehlungen ist er ausgesprochen präzise und hilfreich. RESTAURANT-EMPFEHLUNG-LAVA-3Die beiden empfohlenen Dessertweine überzeugen qualitativ durchaus: eine 2012er Schreieck Auslese der Edition Gewürztraminer vom Schloss Ludwigshöhe und ein Eigenimport aus Umbrien, Lu 2010 von der Azienda Agricola. Dann schon nicht mehr unerwartet, die Dessert-Kreationen von hoher Qualität. Erdmandeln, Minze, Erbsen und weiße Schokolade vertragen sich geschmacklich gut, ebenso ist die Pfirsich Melba-Variation ansprechend. Weil die Neugier übermächtig wird, ergeben es die Umstände, dass auch die Dessert-Interpretation vom Gin Basil gelobt werden kann. Sämtliche Gänge beider Menüs glänzen durch Einfallsreichtum bzw. hohe Qualität in der Ausführung und bei einem Grappa Amarone und Stravecchia aus dem Hause Marzadro zum Abschluss ist man sich einig, dass sich der Weg nach Neukölln wahrlich gelohnt hat.

Besuch am 09.09.2014

lavaberlin.wordpress.com