Frische Sommerweine und Tapas…
Im Rahmen einer Veranstaltungsreihe fand am 13.06.2024 in der Tapas Bar des Berliner Meliá Hotels eine Degustation von Sommerweinen statt, die von der Sommelière und Präsidentin der Sommelier Union Yvonne Heistermann, Paul Kreuchauf von der Meliá Tapas Bar und Peter Müller, größter Importeur von Schweiz-Weinen in der EU, präsentiert wurden.
Mitte Juni ist ein passender Zeitpunkt, um das Interesse für Sommerweine zu wecken und um Anregungen für die Saison zu liefern, wobei der Fokus dieser Degustation auf Weine aus Spanien und der Schweiz gelegt wurde. Die Einstimmung darauf erfolgt durch einen frischen Cava Miracle Brut von der Bodega Vicente Gandia. Diese mehrfach preisgekrönte Bodega produziert seit 1885 Wein und wird heute von der vierten Generation geführt. Bodega Vicente Gandia ist das größte Weingut der Valencianischen Gemeinschaft und exportiert seine Weine in über 90 Länder. Macabeo- und Chardonnay-Trauben sind die Hauptbestandteile von diesem Cava, der 15 Monate auf der Hefe lagert und im Stahltank ausgebaut wird. Er zeichnet sich durch eine schlanke Stilistik und einer angenehmen mineralischen Note aus. Ein erfrischender Sommerwein mit nur 11,5%, der sich gut für die heißen Tage eignet.

Beim zweiten Wein handelt es sich um einen Vertreter aus der Schweiz, der schon optisch auf sich aufmerksam macht. Einerseits ist das zum Teil umgekehrt aufgedruckte Etikett ungewöhnlich, aber auch das Erscheinungsbild im Glas erweckt Aufmerksamkeit. Die leichte Trübung des 2023er Château d´Auvernier findet seine Erklärung in der Tatsache, dass es sich um einen unfiltrierten Wein handelt, der sich großer Beliebtheit erfreut. Dieser Weißwein der Rebsorte Chasselas wird von der Familie Grosjean in der AOC Neuchâtel am Neuenburger See produziert und ist in der Nase in Form von feinfruchtigen Aromen wahrnehmbar, die an frische Bananen, gelbe Äpfel und rosa Grapefruit erinnern. Eine facettenreiche Aromatik wird durch die Mineralik und milde Säure des Weines sehr gut zur Geltung gebracht, was zu einem langen und cremigen Nachhall führt.


Ein weiterer Weißwein aus der Schweiz folgt mit dem 2022er Yvorne Prés Roc Obrist aus der AOC Chablais ( Vaud ). Dieser Chasselas hat schon bei mehreren Wettbewerben überrascht und wurde bereits für seine Qualität prämiert. Beim Verkosten des Weines kann man dies nachvollziehen, denn der im Glas strahlend goldgelbe Yvorne Prés Roc wird zunächst in der Nase durch exotische Fruchtaromen von Honigmelone, Mango und frischer Ananas wahrgenommen. Das fruchtige Aroma wird von einer sehr feingliedrigen Säure getragen, die dem Wein zusammen mit einer interessanten Mineralik zu Frische und Eleganz, aber auch zu einem cremigen und dauerhaften Nachhall verhilft.
Der nächste Wein stammt aus einer Region, die ausgesprochen bekannt ist für frische Sommerweine. Das DO Rueda-Anbaugebiet liegt in der autonomen Gemeinschaft Kastilien-León und steht für hervorragende spanische Weißweine. Im Rahmen dieser Verkostung probieren wir einen Zapadorado Verdejo des Jahrgangs 2022 der Bodegas Rueda Perez. Hier handelt es sich um einen Produzenten, der seit drei Generationen Wein anbaut, aber erst seit 2022 unter eigenem Namen abfüllt und seine Weine an den Markt bringt. Das Weingut liegt im Dorf Pozaldez im Herzen der Region Rueda in der Nähe von Valladolid. Dieser Zapadorado ist ein sortenreiner Verdejo-Wein, der ganz typisch für seine Gattung ist. Mit einem schönen goldgelben Farbton stellt er sich im Glas dar und bietet der Nase Aromen von Mango, Ananas, Papaya und Pfirsich. Eine filigrane Säure umspielt diese Fruchtaromatik auf der Zunge und ein intensiver Nachhall am Gaumen macht diesen Wein zum perfekten Begleiter zu Meeresfrüchten bzw. gegrillten Garnelen.


Der folgende Wein stellt auch für Weinkenner etwas Besonderes dar. Viele Weinliebhaber hatten vermutlich noch nie einen weißen Merlot im Glas bzw. etliche wissen vielleicht gar nicht, dass es ihn gibt, denn Merlot ist gemeinhin als Rotwein bekannt. Den Merlot, der weltweit als ´König der Rotweine´ gilt, weiß zu vinifizieren, könnte man als Sakrileg bezeichnen, aber es wird im Tessin praktiziert und zwar mit bemerkenswerten Resultaten. Die Idee wurde 1986 geboren, als der Ingenieur Adriano Petralli die ebenso bizarre wie innovative Idee hatte. Es waren die Jahre, in denen der Merlot im Tessin eine Krise erlebte, die Keller voll waren und die Qualität der Rotweine nicht immer den Erwartungen entsprach. Im Laufe der Ernten stiegen die Lagerbestände übermäßig an und es musste eine Lösung gefunden werden, um die Rotweinbestände abzubauen, die neuen Ernten zu vermarkten und die Kellereien zu entlasten.
So wurde aus der Not heraus die Idee geboren, den Merlot weiß zu vinifizieren und das Ergebnis wurde von der Kundschaft geschätzt. Innerhalb weniger Jahre wurde der weiße Merlot zu einer echten Spezialität der Region und heute hat dieser Wein im Tessin einen Anteil von 30% an der Gesamtproduktion. Wir haben den Bianco di Merlot Terre Alte vom Weingut Gialdi im Glas, einem Weingut in der Tessiner Gemeinde Mendrisio. Beim Abbeeren der roten Merlot-Trauben wird der klare Most durch selbsttätiges Ablaufen des Saftes gewonnen. Nach einer sehr schonenden Pressung wird der klare Most bei 18-20° Grad in Edelstahltanks ausgegoren. Der leicht strohgelbe Merlot verströmt ein zartfruchtiges Bouquet von Williamsbirne, weißen Pfirsichen, Zitrus- und floralen Noten. Auf der Zunge frisch und fruchtig mit ungewöhnlich viel Schmelz, hinterlässt dieser weiße Merlot einen anhaltenden und mineralischen Abgang.
Das Finale dieser Sommerwein-Degustation bildet ein Roter aus dem Rioja-Anbaugebiet. Wie wir wissen, lassen sich viele Weinliebhaber von warmen Sommertemperaturen nicht von ihrem Glas Rotwein am Abend abhalten, was auch seine Berechtigung hat, wenn es am Abend etwas kühler wird. Der 2016er Gran Reserva vom Weingut Barón de Ley ist ein klassischer spanischer Rotwein und steht für die Qualität der Weine dieses Produzenten. Das Weingut Barón de Ley wurde 1985 gegründet, als sich mehrere Rioja-Winzer um Gonzalo Rodriguez zusammenschlossen, um ein Projekt anzustoßen, das seinesgleichen sucht. Das ehemalige Benediktinerkloster aus dem 16.Jahrhundert ist mittlerweile von 100 ha Rebfläche umgeben und die Weine haben über die Grenzen Spaniens hinaus einen hervorragenden Ruf. Mit der Produktion von Weinen im internationalen Stil wurde das Unternehmen mehrfach zum ´Spanish Wine Producer oft he Year´ gekürt.



Der Gran Reserva markiert die qualitative Spitze des klassischen Rioja-Reglements. Zwei Jahre verbringt der Wein in kleinen Eichenholzfässern und weitere drei Jahre reift der Gran Reserva in der Flasche, bevor der Wein in den Handel gelangt. Man kann sagen, dass der Gran Reserva von Barón de Ley erst weitere drei Jahre später auf dem Höhepunkt seiner Trinkreife angelangt ist. Aber das lange Warten auf diesen Wein lohnt: Der Rioja Gran Reserva von Barón de Ley hat eine extrem klassische Gestalt. Die feinen Holzaromen verbinden sich wunderbar mit der rotfruchtigen, frischen Charakteristik des Weines. Heutzutage ist diese Machart nur noch selten in der Rioja anzutreffen, da viele Weingüter eine vermeintlich modernere Stilistik verfolgen.
Der Gran Reserva wird aus Tempranillo-Trauben hergestellt, die von Barón de Leys Rebflächen in Cenicero stammen. Hier ist die Ausrichtung der Reben ideal und der atlantische Einfluss sorgt für reife, aber nicht überreife Trauben. Der Ertrag wird ganz absichtlich gering gehalten: Nur eine bestimmte Anzahl von Trauben werden pro Rebstock geduldet, um diese mit der idealen Nährstoffmenge versorgen zu können. An dem Gran Reserva von Barón de Ley wirkt nichts künstlich oder gemacht. Es ist eine wunderbar ursprüngliche Interpretation eines Riojas. Seine große Reife, betörende Frucht und belebende Frische scheint nie aus der Mode zu kommen. Attraktives Rubinrot mit mittlerer Tiefe und hellen Reflexen am Rand bemerkt man im Glas und der Duft des Weines offenbart eine große aromatische Intensität. Reife rote Beeren, die mit Toast- und Balsamico-Noten kombiniert sind. Nach einiger Zeit im Glas entwickeln sich zudem Spuren von Gewürzen und Tabak. Im Mund wirkt der Wein rund und harmonisch, zeigt seidige Tannine, bleibt aber auch frisch und lebendig. Im Abgang sehr anhaltend und an Toast und Rosinen erinnernd.
Der Gran Reserva von Barón de Ley stellte wahrlich ein furioses Finale dieser Sommerwein-Degustation in der Meliá Tapas Bar des gleichnamigen Hotels in Berlin-Mitte dar. Begleitet wurden die edlen Tropfen von einer sehr delikaten Auswahl an Tapas, die auch als Anregung für den eigenen Weingenuss daheim sorgten bzw. auch einen Vorgeschmack für einen privaten kulinarischen Abend in der Tapas Bar darstellten. Kurzweilig und kompetent führten die Akteure Yvonne Heistermann, Paul Kreuchauf und Peter Müller durch die Degustation und teilten ihre offensichtliche Begeisterung für die vorgestellten Weine leidenschaftlich mit allen Teilnehmern. Eine perfekte Einstimmung auf einen genussvollen Weinsommer…
Degustation am 13.06.2024
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