Wahrlich fein…

Bei den Geldinstituten dieser Welt wäre er vermutlich immer eine kleine Nummer gewesen, aber für die Biergenießer und die deutschen Privatbrauereien ist er zu einer großen Nummer geworden. Nachdem der die Bankbetriebslehre studiert und als Dipl. Kaufmann abgeschlossen hatte, wurde Sven Förster bewusst, dass diese Branche nicht die berufliche Erfüllung für ihn bringen würde. Es zog ihn in ein weniger trockenes Metier und sein Interesse für handgemachte Biere kleiner Brauereien mündete nach dem Abschluss seiner Bier-Sommelier-Prüfung in der Eröffnung eines kleinen Lokals in der Bornstraße 20 in Berlin-Friedenau vor wenigen Monaten.

Hier spürt man den Enthusiasmus, mit dem er auserwählte Biere den Gästen nahe bringt, indem er ihnen beim Einschenken erklärt, warum er ausgerechnet dieses Bier an seinem Tresen ausschenkt. Der interessierte Biergenießer erfährt von ihm Details zur Brauerei, zum Herstellungsverfahren und den Zutaten, er erläutert, warum dieses Bier genau so schmeckt, wie es der Gast gerade wahrnimmt und wie schwierig die Beschaffung war. Seit der Eröffnung ist die Auswahl an Bieren um 50% Prozent angestiegen, denn die Nachfrage ist enorm. Nachdem das Interesse bei den Stammgästen für neue geschmackliche Erfahrungen bei deutschen Bieren geweckt war, ist auch die Neugier auf immer neue Entdeckungen gestiegen. Derzeit sind bei Foersters Feine Biere 64 Biersorten ausgesuchter Privatbrauer aus deutschen Landen im Ausschank, wobei davon vier vom Fass direkt ins Glas fließen.

Schon bei der Auswahl der Schankbiere zeigt sich, welche Qualitätsmaßstäbe der Inhaber dabei anlegt und das bekommt der Gast auch zu schmecken. Viele Erstbesucher werden lange oder sehr lange kein Pils dieser Qualität getrunken haben, denn es handelt sich um ein sehr ausgesuchtes Pils-Bier, für das sich Sven Förster hier entschieden hat. Es wird von der Moritz Fiege Privatbrauerei in Bochum gebraut und mit einer charaktervollen Bittere im Fiege Pils-Pokal serviert. Die Aromahopfensorten ´Perle´ und ´Tettnanger´ sorgen für den guten Geschmack und im Umkreis von 500 Kilometern ist dies der einzige Ausschankort dieses Fassbieres. Von der Privatbrauerei Püttner aus Bayern mit einer 190jährigen Firmengeschichte kommt das goldgelbe und vollmundige Lager Hell aus dem Fass. Ein prämiertes Kellerbier aus dem Bamberger Land läuft am dritten Zapfhahn. Es wurde beim European Beer Star-Wettbewerb 2011 in der Kategorie German Style / Kellerbier Hell mit Gold ausgezeichnet und wird von der Familienbrauerei Kundmüller hergestellt. Unfiltriert und naturbelassen gilt dieses untergärige Kellerbier als eine fränkische Bierspezialität, aber auch ein lokales Bier wird hier gezapft: Das Rollberg Rotbier vom Berliner Brauerei-Traditionsstandort Rollberg, einer Erhebung im Stadtteil Neukölln, wo früher das typische Berliner Kindl gebraut wurde. Hier produzieren seit 2009 Wilko Bereit und Nils Heins ihre Biere und gehören inzwischen schon zu den etablierten jungen Brauern in Berlin. Ihr kastanienbraunes 4,9% Vol. prozentiges Rotbier mit einem cremig-festen Schaum ist sehr vollmundig und weist Karamell-und Nussaromen auf, die mit dem malzigen Geschmack gut harmonieren.

Die Gäste des Lokals sind froh darüber, dass es nicht nur in Berlin-Mitte, Prenzlauer Berg und Friedrichshain Gastronomen gibt, die den jungen Craft-Brauern Platz im Sortiment einräumen. Die qualitativ hochwertigen deutschen Craft-Biere sind auch bei Foersters Feine Biere vertreten, wobei man von Sven Förster zu hören bekommt, dass es immer gute und geschmacklich hervorragende deutsche Biere kleiner oder mittelständischer Brauereien gab. Es hat sich nur niemand die Mühe gemacht, diese ausfindig zu machen und den Ausschank dieser Biere zum Geschäftskonzept zu machen. Selbstverständlich setzt dies die entsprechenden Fachkenntnisse und die vorliegende Passion voraus, um dies umzusetzen, denn man muss auch eine gewisse Hartnäckigkeit bei der Beschaffung der auserwählten Biere an den Tag legen. Beschaffung ist stets erneut ein Thema, wenn es gilt, seltene deutsche Biere nach Berlin zu bekommen, denn die meisten kleinen Privatbrauereien produzieren gerade einmal für den eigenen Ausschank oder maximal für ein paar Gastronomen in der unmittelbaren Umgebung. Hat sich Sven Förster aber in den Kopf gesetzt, dieses oder jenes Bier seinen Gästen zu präsentieren, fährt er zur Brauerei und belädt sich das Fahrzeug mit dem seltenen Gebräu. Seine kurze Abwesenheit entgeht natürlich nicht den Stammgästen und mit Spannung wird jedes Mal seine Rückkehr erwartet, denn es ist ganz gewiss, dass es einen guten Grund gab, zu der entsprechenden Brauerei zu fahren.

Auf diesem Weg sind auch die 1,5l-Flaschen Altbier der ältesten Düsseldorfer Privatbrauerei zu Foersters Feine Biere gelangt. In diesen Flaschen der Brauerei Schumacher verbirgt sich ein Stoff, bei dem man sagen kann, dass die Geschichte des Altbieres neu geschrieben werden kann, denn nichts erinnert uns an den früher bekannten typischen Geschmack des ehemals in Berlin ausgeschenkten Altbiers. Sehr ansprechende Fruchtnoten, hervorgerufen durch die Verwendung US-amerikanischen Cascade-Hopfens, verbinden sich geschmacklich mit malzigen, erdigen Tönen. Ganz sicher muss sich Sven Förster hier keine Sorgen machen, dass die Flaschen das Haltbarkeitsdatum von vier Wochen erreichen. Dazu passt ein Brotzeitteller des Hauses, welcher der jeweiligen Personenzahl mengenmäßig angepasst werden kann, worauf Bierwurst, mittelalter Gouda, Münchner Obatzda, Pfälzer Leberwurst, mittelscharfer Senf aus dem Chiemgau, Cornichons, Tomaten und Zwiebeln den Appetit beim Biergenuss stillen. Landjäger oder Pferdebockwürste mit hausgemachtem Kartoffelsalat und am Samstag die frischen Weißwürste dienen ebenfalls als Imbiss zwischendurch.

Eine weitere Rarität stellt das Staffelsee Gold von der Murnauer Brauerei Karg dar, denn einmal im Jahr wird ein Jahressud angesetzt, der die Basis für diese spezielle Abfüllung bildet. Die Aromen von Banane und tropischen Früchten steigen in die Nase und das Staffelsee Gold glänzt durch seinen vollmundigen Charakter. Einen völlig anderen Geschmack präsentiert ein Rauchbier der Brauerei Spezial aus Bamberg. Als eine der ältesten Bamberger Brauereien verwendet diese Rauchmalze, welche dem Bier hier seinen prägnanten Geschmack verleihen und man kann sich gut vorstellen, wie gut dazu ein paar Landjäger schmecken. Braukunst aus Baden-Württemberg begegnet uns beim Imperial Pilsener der Hirschbrauerei Heubach. Die Brauerei in Wurmlingen, deren Geschichte bis in das Jahr 1782 reicht, stellt ein stärker eingebrautes Pilsener her, welches aufwändig aus der Vorderwürze gebraut wird. Die Verwendung der Hopfensorten Hallertauer Tradition und Tettnanger bzw. deren schonende Beigabe geben den Geschmack. Mit einer leichten Trübung im Glas und 5,9% Vol. Prozent überzeugt dieses Imperial Pilsener.

Spätestens nach der Verkostung dieser Biere wird einem bewusst, wie vielfältig die deutsche Braukunst aufgestellt ist und wie viel Freude deren Entdeckung bereiten kann. Bei Foersters Feine Biere freuen sich die Gäste schon auf die Themenabende an den Freitagen in den Monaten November und Dezember, wenn nämlich aus kleinen Fässern Alt und Kölsch von Privatbrauern an den Tischen frisch gezapft wird. Hier wird Biergenuss zum Erlebnis und das ist die Mission von Sven Förster, der hier gerne am praktischen Beispiel Aufklärungsarbeit leistet und mit dem Gast über das Bier redet, welches sich gerade im Glas befindet. Zu jeder Zeit stehen hier das Bier und das Interesse des Gastes am Produkt im Vordergrund, wobei  zu beobachten ist, wie Gäste untereinander ihre geschmacklichen Erfahrungen austauschen und über den Genuss des jeweiligen Bieres ins Gespräch kommen. Das Bier wird wieder zum Thema und ist nicht mehr nur ein belangloses Beiwerk beim Gaststättenbesuch. Es wird dank Botschaftern wie Sven Förster als Genussmittel und Delikatesse erneut entdeckt.

  Besuche am 22.und 26.09.2014

www.foerstersfeinebiere.de