Mädchentraube Reloaded…

Rumänische Weine sind in Deutschland weitestgehend unbekannt und spielten gerade einmal zu DDR-Zeiten als Weine von mäßiger Qualität eine Rolle. Inzwischen schauen Weinkenner mit Interesse nach Rumänien, weil eine wachsende Zahl namhafter Investoren und Produzenten seit dem EU-Beitritt für Qualitätssteigerungen bei der Weinproduktion sorgen. Rumänien ist der größte Weinproduzent Osteuropas und blickt auf eine über viertausendjährige Geschichte des Weinanbaus zurück.

Römer, Türken, Ungarn und Russen nahmen im Laufe der Zeit Einfluss und in den Zeiten des Kommunismus wurden bis 1989 die Anbauflächen auf 370.000 ha ausgebaut. Wenn früher rund 60% des Weins von staatlichen Genossenschaften produziert wurden, sind es seit dem Beitritt zur EU im Jahre 2007 kleinere und viele neu gegründete Betriebe, die sich dem Qualitätsanbau verschrieben haben und dafür sorgen, dass Rumänien zu einem aufstrebenden Weinland wird.

The Romanian Wine Promotion Association ist bemüht, diese Veränderungen auch nach außen zu kommunizieren und speziell auf das günstige Preis/Leistungs-Verhältnis der rumänischen Weine hinzuweisen. Zu diesem Zweck finden in Deutschland Fachveranstaltungen statt, in deren Rahmen 13 führende Weingüter ihre Weine vorstellen und Master of Wine Romana Echensperger während eines Fachseminars einige markante Abfüllungen und deren Spezifikationen näher erläutert.

Die Schwarze Mädchentraube (Feteasca Neagra) spielt nach wie vor eine tragende Rolle in der rumänischen Weinproduktion und erlebt gerade wieder eine Renaissance. Diese sehr alte und wuchskräftige Rebsorte aus der Region Moldau kommt mit Trockenstress sehr gut zurecht und verträgt auch Wintertemperaturen bis -22° Celsius. Aromen von Gewürzen, roten und schwarzen Früchten und ein mittelkräftiges und rundes Gerbstoffgerüst sind bei den Weinen, die zur Verkostung anstehen, stets vernehmbar.

Der erste Wein der Verkostung, ein Feteasca Neagra des Weinguts Corcova aus dem Jahr 2017, ist ein leichter Einstiegswein mit 13,5 % Vol.Alk. und stammt aus der Kleinen Walachei. Die Weinbereitung erfolgt durch Kaltmazeration und Vergärung bzw. Ausbau in Stahltanks. Aus dem Südwesten des Landes stammt der ebenfalls 2017er vom Weingut Crama Oprisor, der 15 Monate im Barrique gelagert wird und der deutliche Gerbstoffe aufweist. Dieses Weingut gehört zur Weinkellerei Reh Kendermann in Bingen am Rhein und ist ein typisches Beispiel für das Interesse ausländischer Investoren am rumänischen Weinbau.

Ebenfalls in ausländischer Hand befindet sich das Weingut Liliac im Herzen Siebenbürgens. Hier ist es der österreichische Unternehmer Alfred Beck, der u.a. der Schwarzen Mädchentraube zu neuer Qualität verhilft. Offensichtlich sind seine Bemühungen von Erfolg gekrönt, denn er produziert auch den teuersten Rotwein Rumäniens. Der verkostete Feteasca Neagra des Jahres 2017 mit 14,5% Vol.Alk. fällt durch seine frischen Fruchtaromen und markante Säure auf.

Mit den folgenden Weinen kommen auch die älteren Jahrgänge zur Verkostung, wozu auch der 2015er des Weinguts Balla Geza gehört. Hier wird der Wein auf fruchtbaren Böden im Westen des Landes angebaut, wo sich deutliche mediterrane Einflüsse bemerkbar machen. Bei diesem Wein wird mit einer 15-tägigen Maischegärung und Wildhefe gearbeitet, bevor er zwei Jahre in unterschiedlichen Holzfässern gelagert wird.

Zu den interessantesten Weinen dieser Verkostung gehören zweifellos die beiden folgenden: Aus dem Nordwesten Transsilvaniens kommt ein 2016er Feteasca Neagra des Weinguts Nachbil, wo auf 23 ha Anbaufläche mit Tonböden die Weinstöcke gedeihen. Hier handelt es sich um einen  Bio-Wein, der durch eine drei-wöchige Maischegärung und Wildhefen entsteht. Mit dem letzten Wein dieser Verkostung kommt gleichzeitig auch der Höhepunkt, in diesem Fall aus dem Jahr 2015 vom Weingut Serve.

Hier wird die Schwarze Mädchentraube um den 45.Breitengrad im Süden Rumäniens auf Ton und Sandböden in einer Region (DOC Dealu Mare) angebaut, die für ihre kräftigen und ausgewogenen Rotweine bekannt ist. Das Weingut Serve wurde 1994 gegründet und war das erste private Weingut nach der Wende in Rumänien. Der 2015er Feteasca Neagra Guy de Poix entsteht durch eine 18-tägige Maischegärung unter Verwendung von Reinzuchthefen und wird danach 10 Monate im Barrique ausgebaut. In der Nase und am Gaumen erinnert dieser Wein sehr an Blaufränkisch und zeigt eine weitere Variante des rumänischen Weins.

Insgesamt eine interessante Darstellung der Entwicklung des Weinlandes Rumänien mit aufschlussreichen Erläuterungen von Romana Echensperger / Master of Wine und zahlreichen geschmacklichen Erkenntnissen zum Thema Mädchentraube Reloaded.

www.premiumwinesofromania.com              Veranstaltung am 22.01.2019