Eine große Bühne…

Das Ristorante La Ciau del Tornavento in Treiso, ein Sternerestaurant inmitten der schönsten Piemont-Landschaft, bietet in vielerlei Hinsicht eine große Bühne. Wenn man das elegante Gebäude aus den 30er Jahren betritt, hat man den Eindruck, der Gastraum des Restaurants stellt eine außergewöhnliche Kulisse für die imposante Aussicht auf die umliegenden Hügel der Langhe dar.

In dieser exponierten Lage ist die Terrasse und der innen liegende Teil des Ristorante La Ciau del Tornavento die perfekte Projektionsfläche für die hochklassigen Inszenierungen von Küche und Weinkeller. Der Guide Michelin 2019 bescheinigt die Verwendung von Produkten ausgesuchter Qualität, eine unverkennbare Finesse auf dem Teller, einen auf den Punkt gebrachten Geschmack und ein konstant hohes Niveau bei der Zubereitung. Diese Kriterien belohnt der Guide Michelin in diesem Fall mit einem Stern und ein Besuch lässt diese Einschätzung nachvollziehen.

In der Tat wird dem Gast hier einiges für die Augen und den Gaumen geboten. Auf den Tellern spiegelt sich die kreative Küche wider, basierend auf der kulinarischen Tradition der Langhe, deren hochwertige Zutaten aus der unmittelbaren Umgebung stammen. Für die Verwendung bestimmter Gemüse und Kräuter ist der Weg besonders kurz, denn sie stammen aus dem eigenen Garten. Für ausgewählte Käsesorten regionaler Käsereien bzw. Wurst- und Fleischwaren benachbarter Lieferanten gibt es im Weinkeller spezielle Reifeschränke, in denen man die Qualitätsprodukte bestaunen kann.

Die Pflege des kulinarischen Erbes ist auch deutlich auf der Speisenkarte zu erkennen, wenn auch modern interpretiert wird. So findet der Gast Klassiker aus dem Piemont in bester Zubereitungsart auf seinem Teller, wenn er denn mag. Er sollte mögen, weil Augen und Gaumen begeistert sein werden und schon die Amuse Gueules die Erwartung auf die folgenden Gänge steigern. Ein klassisches Gericht des Piemont und auch hier im La Ciau del Tornavento sind die panierten Samremo-Garnelen, deren Panade aus gemahlenen Haselnüssen besteht. Das hat seine regionale Bewandtnis, da die Tonda Gentile delle Langhe die anerkanntermaßen beste Haselnussart überhaupt ist und hier wächst.

Eine sehr außergewöhnliche, aber delikate Art Tintenfisch zu verarbeiten, zeigt sich beim Gericht ´Cappuccino di seppie al nero´, einer Variante, bei der Tintenfisch mit Rahmkartoffel in der Cappuccino-Tasse serviert wird. Wenn bis dahin eine prickelnde Flaschengärung Millesime 2013 von Batasiolo als flüssiger Einstieg diente, so kam danach ein grandioser Barbaresco von Pierre Busso aus der direkten Nachbarschaft des Restaurants zum Zuge. Der 2008er San Stunet aus der Großflasche rief große Begeisterung hervor und verdiente ungeteilte Aufmerksamkeit während der weiteren Gänge.

Klassische Gerichte aus dem Piemont waren an dem Tag gefragt und so lag natürlich der Schwerpunkt gerne bei Pasta-Gerichten. ´Agnolotti del Plin di Seirass´, ebenso ein Signature Dish des Restaurants La Ciau del Tornavento, sollte ein weiterer Augen-und Gaumenschmaus werden. Hier reden wir von der Königsklasse der Pastafaltkunst, denn die in der Region so beliebten Teigtaschen werden einem Bauchnabel nachgefomt. Es gibt sie oftmals mit einer speziellen Fleischfüllung oder, wie in diesem Fall, mit einer Ricotta Seirass-Füllung.

Die Zubereitungsart ist eine Idee von Maurilio Garola, dem Executive Chef des Hauses, bei der er die Teigtaschen zusammen mit Heu im Wasser garen lässt. Danach werden die Agnolotti in Butter mit wildem Thymian geschwenkt und dann spektakulär auf einem Heubett serviert. Auch hier steht der optische Eindruck mit dem geschmacklichen im besten Einklang und macht noch mehr Lust auf Pasta.

Die wohl beliebteste Pasta im Piemont sind Tagliolini oder auch Tajarin, wie sie in der Region genannt werden. Diese sehr gehaltvolle Pasta-Variante, bei der man sich gerne gegenseitig mit der Menge der verwendeten Eier übertrifft, wird ebenfalls ansprechend serviert und überzeugt in der Qualität. Ein nicht weniger spektakuläres Dessert von Joghurt, Mandelkeks, Rucola und Himbersorbet sollte als Abschluss dieses Ausflugs in die kulinarische Tradition des Piemont dienen.

Nicht nur die Küche lockt die Gäste in das La Ciau del Tornavento, sondern auch die Weinkarte, die zu den besten in ganz Italien zählt. Ein Weinkeller mit derzeit rund 75.000 Flaschen von ca.450 Weingütern macht diesen Ort zu einer Pilgerstätte der Weinkenner. Das gesamte Restaurant ist unterkellert und beherbergt eine private Weinsammlung, die eindrucksvoller kaum sein kann. Schwerpunkt der Sammlung sind Barolo-und Barbaresco-Abfüllungen, aber die weltweit besten Winzer sind ebenso vertreten. Pro Jahr werden im Schnitt zwischen 18.000 und 25.000 Flaschen für das Restaurant eingekauft. Was nicht verkauft wird, dient eingelagert als Investition in die Zukunft.

Wer steht hinter dem Ristorante La Ciau del Tornavento? Maurilio Garola als Executive Chef und seine Ehefrau, die ein eigenes Weingut betreibt und Nadia Benech als Restaurantleitung mit ihrem Ehemann Marco Lombardo, der als Sous Chef in der Küche tätig ist, teilen sich die Verantwortlichkeiten im Haus. Ein aufmerksames Service-Team umgibt die Gäste und auch Maurilio Garola lässt es sich nicht nehmen, bei einem Rundgang durch das Restaurant die Gäste zu begrüßen und sich danach zu erkundigen, ob alles in Ordnung ist. Ein sympathischer und bescheidener Gastgeber, der es versteht, eine perfekte Bühne für Kulinarik und Trinkgenuss zu bereiten. Ein ´must see´ im Piemont…

www.laciaudeltornavento.it         Besuch am 28.06.2019