Ein Stern im Piemont…

Seit 1997 führt Chef de Cuisine Maurilio Garola sein Ristorante La Ciau del Tornavento in der kleinen Gemeinde Treiso im Piemont. Das Haus mit der markanten Architektur der 30er Jahre liegt in einer bevorzugten Lage, die dem Restaurant schon rein optisch ein Alleinstellungsmerkmal verleiht. Eine durchgehend bodentiefe Fensterfront ermöglicht dem Gast im Innenraum einen Panoramablick auf die herrlichen Hügel der Langhe-Landschaft, die davorliegende Terrasse stellt eine Art Freiluftkino für den Film ´Die Schönheit des Piemont´ dar.

Wenn man als Gast durch den Eingang und den Vorraum schreitet, eröffnet sich einem sofort das überwältigende Panorama, das an klaren Tagen bis zu den Alpen reicht. Den Gastraum mit seiner hohen Decke, dem Pinienholz-Fußboden und dem edlen Interieur nimmt man dann nachgeordnet wahr, weil man kaum glauben kann, einen solchen Ausblick bei Tisch genießen zu können. Demzufolge ist es nicht verwunderlich, dass die Tische unmittelbar am Panoramafenster bei den Reservierungen bevorzugt werden. In der warmen Jahreszeit gilt dies genauso selbstredend für die Terrassenplätze zum abendlichen Dinner.

Eine schöne Vision hat Marilio Garola hier in die Tat umgesetzt, nachdem er sich für diese Location entschlossen hatte. Bereits 1989 eröffnete er sein erstes eigenes Restaurant, das er damals La Ciau nannte. Zu dem Zeitpunkt hatte er schon eine zehnjährige Küchenlaufbahn in verschiedenen Restaurants hinter sich. 1958 in Avigliana bei Turin geboren, entschied sich der 18jährige Maurilio wegen seiner Begeisterung für den Motocross-Sport zunächst für eine Ausbildung als Mechaniker. Offenbar war es ein Restaurantbesuch im damaligen Castagno di Via Lagrange, um ein Panini zu essen, der sein Interesse für die Gastronomie weckte.

Da ihn der Beruf als Mechaniker nicht begeisterte, fragte er hier nach einem Job in der Küche. Da aber alle Stellen besetzt waren, bot man ihm eine Tätigkeit als Fahrer an. Hartnäckig verfolgte er sein Ziel und wurde nach zwei Jahren in die Küche übernommen, wo er dann für die Vorspeisen zuständig war. Letztendlich blieb er dort 11 Jahre und war zum Ende seiner dortigen Tätigkeit Küchenchef des Restaurants.

Das heutige Ristorante La Ciau del Tornavento betreibt er mit seiner Ehefrau Cecilia Monte, Restaurantleiterin Nadia Benech und ihrem Ehemann Marco Lombardo, der als Sous Chef fungiert. Gleich nach dem Start mit diesem Restaurant wurde der Guide Michelin auf ihn aufmerksam und attestierte seine Ambition mit einem Stern. Das ist so geblieben, wenn man einen Blick in den Guide Michelin 2019 wirft, wo man die Erläuterung zur aktuellen Auszeichnung findet: Produkte von ausgesuchter Qualität, unverkennbare Finesse auf dem Teller, auf den Punkt gebrachter Geschmack und ein konstant hohes Niveau bei der Zubereitung.

Maurilio Garola bietet in seinem Restaurant eine kreative Küche, die auf der Tradition der Langhe-Region des Piemont basiert. In der Tat findet man hier überlieferte Pasta-Rezepte und andere klassische Gerichte des Piemont auf der Karte, die unter der Regie von Maurilio Garola neu interpretiert werden und der Regionalküche neuen Glanz verleihen. Dabei verbirgt sich auch nicht die Vorliebe der Küchenleitung für Fisch und Meeresfrüchte insgesamt. Sehr penibel achtet der Küchenchef beim Einkauf der qualitativ hochwertigen Produkte auf die Herkunft aus der direkten Nachbarschaft und sogar ein eigener Kräuter- und Gemüsegarten dient zur Deckung des Küchenbedarfs.

Neben seiner Vorlieben für Motocross und das Skifahren gibt es eine Passion, die in den 80er Jahren von der Wein-Erzeugervereinigung Langa In bei ihm geweckt wurde. Dieser Zusammenschluss von 18 ambitionierten Winzern hat sich der hohen Qualität seiner Produkte in den Weinanbaugebieten Langhe und Roero verschrieben. Dort erkannte er das Potenzial dieser Weine und begann 1988 zu investieren. Heute kann man unter dem Ristorante La Ciau del Tornavento eine Weinsammlung bewundern, die absolut sehenswert ist. Hier lagern inzwischen 75.000 Flaschen von rund 450 Erzeugern, wobei der Großteil Barolo- und Barbaresco-Abfüllungen sind. Die Weinkarte des Restaurants zählt zu den umfangreichsten und besten Auflistungen Italiens, wobei auch sämtliche international anerkannte Weingüter vertreten sind.

Maurilio´s Ehefrau Cecilia Monte teilt die Leidenschaft ihres Mannes für Wein und betreibt ihr eigenes Weingut Azienda Agricola Cecilia Monte in Neive. Dort entspannen sich die beiden bei Spaziergängen durch die Weinberge und schätzen die Ruhe. Dabei werden sicher auch neue Pläne geschmiedet und überlegt, wann der Wunsch umgesetzt werden kann, nach Japan zu reisen, um die dortige kulinarische Tradition und Perfektion näher kennenzulernen. Maurilio´s großer Traum allerdings ist, dass eines seiner Kinder eines Tages die Leidenschaft des Vaters für die Küche teilt und das Geschaffene übernimmt. Möge es so kommen…

www.laciaudeltornavento.it                    Besuch am 28.06.2019