Montsant wird volljährig…

18 Jahre Herkunftsregion Monsant – Es ist noch nicht sehr lange her, dass diese Herkunftsbezeichnung ins Leben gerufen wurde. Erst 2001 bekam die sogenannte Subzone von Falset, die bis dahin zur Herkunftsregion Tarragona gehörte, eine eigene Institution. Seit der Gründung verzeichnet die Region Montsant eine spektakuläre Entwicklung. Vor 18 Jahren zählte man hier 28 Weingüter, während es heute bereits 70 sind. Grund genug, um die ´Volljährigkeit´ gebührend zu feiern und sich zu präsentieren. Dies geschieht im Rahmen einer Masterclass und Fachverkostung in der Berliner Villa Elisabeth unter der Leitung von Yvonne Heistermann, Sommelière und Dozentin der Deutschen Wein- und Sommelierschule.

Es ist angerichtet: Zur Verkostung stehen mundgeblasene Designer-Weingläser der Marke Zieher bereit und als Food Pairing Fingerfood aus der Küche des katalonischen Restaurants D.O. in der Berlin-Pankower  Kollwitzstraße. Ein junger, roter Maria Ganxa von 2017 vom Weingut Pascona macht den Anfang. Bei diesem Weingut hat man sich auf die Erzeugung einzigartiger Terroirweine spezialisiert, was bedeutet, dass hier Weine entstehen, welche die Authentizität und Typizität des Bodens verkörpern. Dunkle Kirschen- und Beerenaromen charakterisieren diesen jungen Wein mit einer erfrischenden Säure. Vinyes d´en Gabriel ist der Produzent des nächsten Weins, einem im Betonfass ausgebauten 2017er Cuvila. In dem alten Haus der Familie Gabriel wird seit vier Generationen Wein hergestellt, der schon mit zahlreichen nationalen und internationalen Auszeichnungen prämiert wurde. Seit 2004 wird das Weingut bio-dynamisch betrieben, wo auf lockerem Schieferboden 15-80 Jahre alte Weinstöcke gedeihen. Dieser sortenreine Garnatxa weist eine dichte Struktur auf und wirkt dabei sehr feingliedrig.

Eine unternehmensstarke Kooperative, die Cellers Unió, ist der Lieferant des Perlat Jahrgang 2016, der eine Cuvée von 40% Garnatxa, 40% Samsó und 20% Syrah darstellt. Auffällig ist die gute Balance der Rebsorten bei diesem über 12 Monate in französischen und US-amerikanischen Eichenfässern gereiften Rotwein, bei dem man Aromen von dunklen Kirschen, Schokolade wahrnimmt. Ebenso kann man leichte Kräuter- und Barriquenoten feststellen, bevor sich der mineralische Nachhall bemerkbar macht. Ebenfalls 12 Monate im französischen Eichenfass wird der 2016er Brunus vom Weingut Portal del Montsant ausgebaut, eine Cuvée von 56% Carinyena und 44% Garnatxa. Die Holzfass-Reifung ist geschmacklich kaum wahrnehmbar, der Wein erscheint im Mund angenehm samtig,  weich und nussig.

Perfekt temperiert kommt ein L´Alleu des Jahres 2016 vom Weingut Vendrell Rived ins Glas, dessen Trauben von alten Rebstöcken stammen. Ein konzentrierter, dichter Wein mit einer feingliedrigen Säure, dessen Cuvée von Garnatxa und Carinyena aromatisch an rote Grütze von dunklen Früchten und dunkle Kirschen erinnert. Als koscher und vegan zertifiziert steht ein roter Peraj Haabib aus dem katalanischen Bergdorf Capcanes aus dem Jahr 2016 vor uns. Die Kellerei ist nach dem Dorf benannt, wo man sich seit 1995 mit der Produktion koscherer Spitzenweine befasst. Der 15%ige Peraj Haabib stellt eine Cuvée von Garnatxa, Samsó und Cabernet Sauvignon dar, die 14 Monate in französischer Eiche reift.

Klasse statt Masse – Das ist auch die Devise beim Familienweingut Celler Cairats, wo der Cairats Colleccio Samsó von 2015 zunächst 20 Tage im Stahltank lagerte, bevor er danach 16 Monate in französischer Eiche und abschließend 15 Monate in der Flasche verbrachte. Dieser 100% ige Samsó ist ein sehr rebsortentypischer Vertreter seiner Gattung. Ein 2015er Abundància von intensiver Farbe ist nun an der Reihe, der von dem kleinen Weingut Mas de l´Abundància mit einer Jahresproduktion von 18.000-20.000 Flaschen stammt. 13 Monate Eichenfass-Lagerung hat diese Cuvée von 60% Garnatxa und 40% Samsó hinter sich, die sehr dicht erscheint und Aromen von Lakritze und Süßholz aufweist.

Der öko-zertifizierte Teixar von 2014 ist ein sortenreiner Garnatxa Peluda und wird auf dem Weingut Vinyes Domènech produziert. Dieser Wein wächst auf einer Höhe von 450m über dem Meeresspiegel in geringen Mengen und wirkt im Mund sehr zugänglich. Ledrig, pfeffrig und mit Tabakaromen wahrnehmbar, bleibt bei diesem Wein die Frucht im Hintergrund. Wir gehen mit dem Etim Old Vines Grenache zurück in das Jahr 2013. Die 1912 gegründete Genossenschaft Falset Marcà ist Produzent dieses fast sortenreinen Garnatxa, dem nur 10% Carinyena beigefügt werden, bevor die 10 monatige Fassreife beginnt. Von dunkler Farbe, beeindruckt dieser Wein durch angenehme Leder- und Zartbitteraromen.

Beim nächsten Wein, einem MIM aus dem Jahre 2012, hat man es mit einem sehr ursprünglichen Weingut zu tun, denn bei Celler de L´era in der Ortschaft Mas de les Moreres werden die frischen Trauben noch mit den Füssen gestampft. Die vorliegende Garnatxa-Samsó-Cuvée lagerte 14 Monate im französischen Eichefass und weist 14,5% Vol.Alk. auf. Ein 2012er Coca I Fitó Negre vom Weingut Coca i Fitó ist der letzte Rote dieser Verkostungsreihe. Die Cuvée von 50% Syrah, 30% Garnatxa und 20% Carinyena birgt nach einer 12 monatigen Reifung in französischer und US-amerikanischer Eiche eine enorme Vielschichtigkeit mit angenehmen Pfeffer- und grünen Tabakaromen. Den Abschluss der Verkostung bildet ein Blanca der Cellers Sant Rafel, einem Landgut von 46 Hektar Größe. Mit einem jungen 100% Garnatxa, der durch seine außerordentliche, angenehme Frische besticht, wird man danach in die freie Verkostung entlassen.

Eine sehr lehrreiche Verkostung, die deutlich die Entwicklung der Region Montsant widerspiegelt und enorme Hoffnungen auf künftige qualitative Höchstleistungen der dortigen Winzer schürt. Weiter so…

www.weine-aus-katalonien.de            Degustation am 18.02.2019